SPECIALS Funktionen des Drei-Lagen-Systems Feuchtigkeitstransport: Dampf ablassen
19.12.2005, thm
Diesen Job mussen alle Kleidungsschichten gemeinsam erledigen. Die First Layer transportiert Nässe erstmal weg vom Körper. Mid Layer und Outer Layer müssen überschüssigen Wasserdampf dann nach außen bringen.
Anzeige
Hauptrolle First Layer Funktionsunterwäsche kann sich auf eine Hauptaufgabe konzentrieren: Feuchtigkeit vom Körper wegleiten und die Haut trocken halten. Ein Job für Baumwolle? Dieses beliebte Material hat Sehnsucht nach Wasser und nimmt jedes Quentchen Feuchtigkeit begierig auf. Leider gibt sie nur ungern wieder her, was sie einmal ergattert hat. Irgendwann ist sie nass und der Snowboarder beginnt zu frieren.
Diese unerwünschte Eigenschaft besitzen Kunstfasern nicht. Sie ziehen zwar genauso die Feuchtigkeit weg vom Körper, können sie aber nicht aufnehmen und speichern. Die Feuchtigkeit verteilt sich auf der Außenseite und kann von dort schnell in die nächste Bekleidungsschicht gelangen. Materialien für die Midlayer wie Fleece besitzen eine hohe Atmungsaktivität, wodurch die Feuchtigkeit leicht an die Outer Layer gelangt.
Trocken dank Naturgesetz Das ganze System funktioniert ähnlich wie Osmose. Am Körper befindet sich viel Wasserdampf, außen geringere Luftfeuchtigkeit. Da sich Moleküle gerne gleichmäßig verteilen, wollen sie nach außen, um ein Gleichgewicht herzustellen. Und ein weiteres Prinzip aus der Naturwissenschaft hilft dabei. In der First Layer wirkt ein Transpirationssog, den Nutzen auch Bäume, um ihre Blätter mit Wasser zu versorgen. Die verdunstende Feuchtigkeit am Blatt saugt Wasser nach oben. Die Oberfläche der Unterwäsche übernimmt die Funktion der Blätter, die Hohlräume des Stoffes fungieren wie Wasserkanäle im Baumstamm (Grafik links).
Damit dies funktioniert müssen Materialien wie Polartech Power Dry auf der Haut aufliegen. Die First Layer muss also genau passen und möglichst eng anliegen.
Mass der Atmungsaktivität
Die Einheit für Atmungsaktivität ist Gramm pro Quadratmeter pro 24 Stunden. Das hört sich komplizierter an als es ist. Durch einen Quadratmeter Stoff dringt 24 Stunden lang Wasserdampf, die Menge in Gramm gibt den Grad der Atmungsaktivität an.
Atmungsaktivität in der Outer Layer First und Mid Layer leisten ihre Arbeit und geleiten Feuchtigkeit weg vom Körper Richtung Snowboardjacke und –hose. Ein klassischer Ostfriesennerz würde hier Probleme bereiten, die Feuchtigkeit könnte nicht nach außen. Da würde ein Snowboarder trotzdem nass - von innen. Die Outer Layer muss also Wasserdampf nach außen lassen und gleichzeitig vor eindringendem Wasser schützen. Wie gut sie das kann, drückt der Wert der Atmungsaktivität aus.
In Sachen Transpiration nehmen die Hersteller einen Durchschnittswert für Snowboardervon 4.040 Gramm Wasser pro Quadratzentimeter in 24 Stunden an. Das gilt aber für das Snowboarden selbst und nicht für anstrengendere Aktivitäten wie einen Aufstieg im Park oder Hiken im Backcountry. Auch hängt der Grad der Transpiration vom Fitnesszustand, individueller Veranlagung und dem Geschlecht ab. Ein Wert von 10.000 kann als guter Wert zur Orientierung dienen, mindestens 5.000 sollte er auf jeden Fall betragen.
Atmungsaktivität in der Praxis Eine Schwierigkeit stellen die Bedingungen in der Praxis dar. Die Stoffe transportieren die Feuchtigkeit nicht aktiv, sondern sie bieten dem Wasserdampf nur eine Möglichkeit zum Durchdringen an. Wie viel durch eine Funktionsjacke tatsächlich nach außen dringen kann, hängt von Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Das hat meist nichts mit den Testbedingungen in einem Labor gemeinsam. Daher gilt bei den Werten der Atmungsaktivität je mehr desto besser, damit die äußerste Schicht nicht für stockenden Feuchtigkeitstransport verantwortlich ist.